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Sepsis und das Immunsystem: Wenn die Abwehr überreagiert

Sepsis verstehen: Wenn die Immunabwehr zum Risiko wird

Was ist eine Sepsis eigentlich?

Häufig wird der Begriff „Blutvergiftung“ im Alltag verwendet, doch medizinisch gesehen ist eine Sepsis ein weitaus komplexeres Geschehen. Es handelt sich dabei um eine lebensbedrohliche Reaktion des Körpers auf eine Infektion. Das Besondere daran ist: Nicht die Erreger selbst sind allein für die Gefahr verantwortlich, sondern die Art und Weise, wie Ihr Immunsystem auf sie reagiert. Anstatt den Infektionsherd lokal zu bekämpfen, gerät die Immunantwort außer Kontrolle und beginnt, den eigenen Körper an verschiedenen Stellen anzugreifen.

Aktuelle medizinische Daten zeigen, dass Sepsis in Deutschland eine ernstzunehmende Herausforderung darstellt. Man geht davon aus, dass jährlich rund 150.000 Menschen von einer Sepsis betroffen sind. Da die Reaktion des Körpers so heftig ausfallen kann, ist die Sterblichkeitsrate mit etwa 35 % vergleichsweise hoch. Es ist wichtig zu wissen: Sepsis kann jeden treffen, auch wenn Sie zuvor gesund waren. Dennoch tragen Menschen mit einem geschwächten Immunsystem – etwa nach schweren Krankheiten oder bei chronischen Leiden – ein höheres Risiko.

Der Mechanismus: Warum die Abwehr zum Problem wird

Stellen Sie sich vor, Ihr Immunsystem ist eine hochspezialisierte Verteidigungsmannschaft. Bei einer Sepsis reagiert diese Mannschaft so heftig auf einen Eindringling, dass sie die gesamte Infrastruktur des Körpers beschädigt. Ein lokaler Infektionsherd, etwa in den Atemwegen oder den Harnwegen, breitet sich aus und löst eine überschießende Entzündungsreaktion aus.

Dieser Prozess führt oft zu einer massiven Störung der Blutgerinnung. Das Immunsystem aktiviert Gerinnungsmechanismen, die dazu führen können, dass sich winzige Blutgerinnsel in den Gefäßen bilden. Diese verstopfen die Kapillaren und unterbrechen die Versorgung lebenswichtiger Organe wie Herz, Lunge, Niere oder Gehirn. Da die Gerinnungsfaktoren im Körper massiv verbraucht werden, kann es gleichzeitig zu unkontrollierten Blutungen kommen. Diese Kombination aus Durchblutungsstörungen und Gerinnungsdefekten ist das Kernproblem der Sepsis.

Warnsignale: Worauf Sie achten sollten

Die Schwierigkeit bei einer Sepsis liegt darin, dass die Symptome oft unspezifisch sind. Sie können vielen anderen, harmloseren Infekten ähneln. Dennoch gibt es Anzeichen, die Sie sehr ernst nehmen sollten. Ein entscheidendes Kriterium für eine Sepsis ist heute die sogenannte Organfunktionsstörung. Wenn das Immunsystem die Organe durch die Entzündungsprozesse schädigt, zeigt sich dies oft durch folgende Symptome:

  • Veränderungen der Körpertemperatur: Hohes Fieber (über 38 °C) mit Schüttelfrost oder – im Falle eines Schocks – eine gefährlich niedrige Körpertemperatur (unter 36 °C).
  • Bewusstseinseintrübung: Wenn Sie oder ein Angehöriger zunehmend unruhig, desorientiert, verwirrt oder ungewöhnlich schläfrig werden.
  • Atem- und Kreislaufprobleme: Eine beschleunigte Atmung (über 20 Atemzüge pro Minute) oder ein schneller Puls (über 90 Schläge pro Minute).
  • Hautveränderungen:** Eine bläuliche Verfärbung der Haut (Hinweis auf Sauerstoffmangel) oder rote, fleckige Hautareale (Hinweis auf Gerinnungsstörungen).
  • Urinausscheidung: Ein deutlicher Rückgang der Urinmenge (bei Erwachsenen weniger als 500 ml oder nur noch 2-3 Toilettengänge am Tag).

Wenn Sie das Gefühl haben, dass sich der Zustand einer bestehenden Infektion rapide verschlechtert, sollten Sie umgehend medizinische Hilfe suchen. Warten Sie in einem solchen Fall nicht ab.

Ursachen und Risikogruppen

In etwa 95 % der Fälle werden Sepsis-Reaktionen durch Bakterien ausgelöst. Häufige Ausgangspunkte sind Infektionen der Lunge (Atemwege) oder der Blase (Harnwege). Zwar spielen in Mitteleuropa Pilze als Ursache eine untergeordnete Rolle, doch für Menschen mit einem stark beeinträchtigten Immunsystem – wie Frühgeborene oder Menschen nach einer Krebstherapie – können auch harmlose Pilze wie Candida albicans lebensbedrohliche Sepsis-Reaktionen auslösen.

Ihre Sicherheit und Gesundheit liegen uns am Herzen. Bitte beachten Sie, dass dieser Artikel der Information dient und keine ärztliche Diagnose ersetzen kann. Bei Verdacht auf eine schwere Infektion ist der direkte Weg in eine Klinik der einzig richtige Schritt.

Dr. Markus Weber
Medizinisch geprüft von Dr. Markus Weber Approbierter Apotheker

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